Stellen Sie sich eine Nation vor, die mit beneidenswertem Ölreichtum gesegnet ist und zu den höchsten Pro-Kopf-BIPs Afrikas gehört, doch fast die Hälfte ihrer Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt. Dieser krasse Gegensatz kennzeichnet die aktuelle Herausforderung Äquatorialguineas. Da die Einnahmen aus Erdöl sinken, droht das Land ohne rechtzeitige Reformen in zunehmende Armut abzurutschen. Wie kann diese rohstoffreiche Nation ihren Reichtum in einen breit angelegten Wohlstand verwandeln?
Die bahnbrechende Armuts- und Gleichheitsbewertung der Weltbankgruppe für Äquatorialguinea liefert entscheidende Antworten. Diese erste umfassende Bewertung zeigt, dass die Nation an einem kritischen Scheideweg steht - mit der Wahl zwischen Niedergang und einer inklusiven, nachhaltigen Zukunft.
Der Bericht identifiziert drei grundlegende Hindernisse, die die Wohlstandsverteilung verhindern:
Der Armutsökonom der Weltbank, Daniel Valderrama, betont: "Wachstum allein kann die Armut nicht umkehren. Gleichheitsfördernde Reformen, die auf Humankapital, Arbeitsplätze und Widerstandsfähigkeit abzielen, sind unerlässlich." Der Bericht zeigt, dass selbst produktivitätssteigernde Strukturreformen die Zunahme der Armut ohne gezielte Unterstützung der Haushalte nur verlangsamen würden.
Der Bericht empfiehlt gleichzeitiges Handeln an drei Fronten:
Die Chefökonomin für Armut der Weltbank, Ana María Oviedo, betont die Reihenfolge der Umsetzung: "Die Schaffung von Arbeitsplätzen muss an erster Stelle stehen. Selbst gut ausgebildete Arbeitskräfte stehen vor großen Beschäftigungsproblemen, wodurch das vorhandene Humankapital verschwendet wird."
Äquatorialguinea hat die historische Chance, natürliche Ressourcen in dauerhaften Wohlstand umzuwandeln. Durch koordiniertes Handeln, das die Bedürfnisse der Bürger, Unternehmertum und Widerstandsfähigkeit in den Vordergrund stellt, könnte die Nation ihre Zukunft neu definieren. Die Zeit für entscheidende Reformen ist jetzt.